Im April kommen die Anrufe. Über den Winter lag die Hängematte im Gartenhaus, jetzt riecht sie muffig und hat braune Punkte im Gewebe. Manchmal bekommt man das noch raus. Oft nicht.

Kurz vorweg: Entscheidend sind die Restfeuchte im Gewebe und die Luftfeuchte am Lagerort, nicht die Temperatur. Frost macht einer trockenen Baumwollhängematte nichts. Feuchtigkeit bei milden Temperaturen ruiniert sie. Wer die Hängematte im Herbst gründlich durchtrocknet und dann in einen dunklen Raum mit weniger als 60 Prozent relativer Luftfeuchte legt, holt im Frühjahr dasselbe Stück wieder heraus, das er eingelagert hat.

Der Zeitpunkt liegt früher als gedacht

Viele orientieren sich am ersten Frost. Das ist der falsche Marker. Was zählt, ist der Punkt im Herbst, ab dem eine nass gewordene Hängematte draußen nicht mehr durchtrocknet. In Mitteleuropa liegt der je nach Lage und Höhe irgendwo zwischen Ende September und Ende Oktober.

Unsere Faustregel aus der Praxis: Bleibt die Hängematte nach einem Regentag länger als 24 Stunden klamm, ist die Saison vorbei. Ab da arbeitet die Feuchtigkeit gegen das Material, auch wenn tagsüber noch die Sonne scheint.

Der Grund dafür ist gut dokumentiert. Schimmelpilze auf Textilien wachsen bei relativer Luftfeuchte zwischen 65 und 100 Prozent, warmen Temperaturen und schlechter Luftzirkulation; unterhalb von 60 Prozent relativer Luftfeuchte ist Wachstum unwahrscheinlich[1]. Genau diese Kombination aus Restfeuchte und stehender Luft findet man in einem geschlossenen Gartenhaus im November.

Hängematte zwischen herbstlich gefärbten Bäumen, Laub am Boden
Das Ende der Saison kündigt sich nicht mit Frost an, sondern mit Nächten, in denen nichts mehr abtrocknet.

Erst reinigen, dann einlagern

Schmutz ist Nahrung. Pollen, Hautfett, Vogelkot und Blattreste geben Schimmelpilzen einen Startvorteil, den sauberes Gewebe nicht bietet. Dieser Aufwand lohnt sich auch dann, wenn die Hängematte optisch noch passabel aussieht.

Pflegeetiketten sind in Deutschland gesetzlich nicht vorgeschrieben[2]. An Hängematten fehlt es entsprechend häufig oder ist nach zwei Sommern unleserlich. Ist ein Etikett vorhanden, gilt die Zahl im Waschbottich als maximale Waschtemperatur in Grad Celsius, die nicht überschritten werden darf; ein Balken darunter bedeutet milde Behandlung mit reduzierter Wäschemenge und geringer Schleuderdrehzahl[3]. Ohne Etikett hilft die folgende Übersicht.

MaterialReinigungTemperaturTrocknenWorauf achten
Baumwolle, TuchhängematteMaschine im Schonwaschgang, Wäschesackmax. 30 °CNur Luft, hängendSchnüre vorher zusammenbinden
Kein Weichspüler
Baumwolle, NetzhängematteVon Hand in der Wannemax. 30 °CNur Luft, hängendNicht wringen, Netz verzieht sich
Kein Weichspüler
Polyester und MischgewebeMaschine im Schonwaschgangmax. 30 °CLuft, trocknet schnellKein Weichspüler
Olefin, PolypropylenAbbürsten, lauwarmes Wassermax. 30 °CLuft, trocknet sehr schnellKeine Hitze, Faser ist wärmeempfindlich
Kein Weichspüler
Fallschirmnylon, ReisehängematteMaschine oder Handwäschekalt bis lauwarmLuft, an der LeineKarabiner vorher abnehmen
Kein Weichspüler
Holz-SpreizstabFeucht abwischen, nachölenk. A.Nur Luft, hängendKein Weichspüler
Wo kein Pflegeetikett vorhanden ist, orientieren wir uns an diesen Werten. Herstellerangaben haben immer Vorrang.

WICHTIG: Ist es immer die Enden der Hängematte vor dem Waschen mit einer Schnur ordentlich mehrfach festzubinden. Ansonsten kommen die Enden komplett verheddert aus der Waschmaschine raus. Eine Netzhängematte sollte ordentlich zusammengelegt werden und dicht zu einem Paket geschnürt werden. Erst danach waschen. Wichtig ist es auch, dass Baumwoll Produkte die aus kleinen Handarbeitsbetrieben kommen sofort zum trocknen mit einem Spreizstab aufgehängt werden. Die Liegefläche sollte aufgefächert sein, damit nicht zwei unterschiedliche Farben beim trocknen übereinander liegen. Beim Waschen lösen sich Farbpartikel und können dann auf anderen Bereichen der Hängematten abfärben ! Am besten uns vorher fragen.

Bei Waschmittel und Zusätzen sind sich die Hersteller einig. Wir empfehlen für Reisehängematten aus Fallschirmseide (Nylon) kaltes Wasser im Schonwaschgang, ein mildes Waschmittel und ausdrücklich keinen Weichspüler und keine weiteren Reinigungszusätze; die Karabiner werden vor dem Waschen abgenommen und erst wieder angebracht, wenn das Tuch sauber und trocken ist. Weichspüler legt einen Film auf die Faser, der Wasser hält statt abzugeben. Genau will man vor einer Einlagerung nicht.

Am Trocknen scheitert es

Hier liegt der Fehler, den wir am häufigsten sehen. Nach einem Tag fühlt sich die Liegefläche trocken an, also wandert die Hängematte in den Sack. Nur ist die Liegefläche nicht das Problem.

Feucht bleiben die dicken Stellen: die gebündelten Aufhängeschnüre, die Knoten an den Enden, die Nähte an den Rändern, bei Netzhängematten der Schnurstrang am Ring. Gebündelte Baumwollschnüre trocknen um ein Vielfaches langsamer als die dünne Liegefläche daneben. Wer dort nicht nachfasst, verpackt einen feuchten Kern in einem trockenen Mantel.

  • Nach dem Waschen hängend trocknen lassen, Schnüre gespreizt und nicht gebündelt
  • Anschließend mindestens 48 Stunden in einem beheizten Innenraum nachtrocknen, nicht im Keller
  • Knoten öffnen und die Enden einzeln auslegen, sonst bleibt Kernfeuchte drin
  • Vor dem Verpacken die dicksten Stellen mit der Handfläche prüfen, sie dürfen sich nicht kühl anfühlen
  • Ein Wäschetrockner ist bei keinem der genannten Materialien vorgesehen

Der Kühle-Test ist simpel und funktioniert gut. Verdunstende Feuchtigkeit entzieht Wärme, ein noch feuchter Knoten fühlt sich deshalb kühler an als die Umgebung.

Weißes Baumwolltextil hängt zum Trocknen, Fokus auf verknotete Schnüre
Die Liegefläche ist nach Stunden trocken, das Schnurbündel nach Tagen. Nur der zweite Wert zählt.

Sechs Lagerorte im Vergleich

Das Umweltbundesamt nennt für Innenräume einen Zielkorridor von 40 bis 60 Prozent relativer Luftfeuchte, um das Schimmelrisiko gering zu halten[5]. Dieser Wert ist ein guter Maßstab für den Lagerplatz. Schon ein Hygrometer für wenige Euro beantwortet die Frage zuverlässiger als jedes Bauchgefühl.

LagerortEignungBegründung
Schrank im beheizten WohnraumSehr gutKonstant unter 60 Prozent, keine Temperaturwechsel
Trockener, beheizter KellerraumGutFunktioniert, wenn ein Hygrometer den Wert bestätigt
Unbeheizter KellerKritischKalte Wände, im Sommer Kondensat beim Lüften
Dachboden, ungedämmtBedingtTrocken, aber starke Temperaturschwankungen und oft Nagetiere
GarageBedingtNasse Fahrzeuge bringen Feuchtigkeit ein
Gartenhaus, SchuppenUngeeignetStehende Luft, Außenklima, klassischer Ort für Stockflecken

Bei der Verpackung überrascht die Antwort regelmäßig. Luftdichte Plastikboxen und zugeknotete Müllsäcke sind die schlechteste Wahl. Sie schließen die verbliebene Restfeuchte ein und verhindern jeden Austausch.

Wir empfehlen für die Winterlagerung von Hängemöbeln ausdrücklich einen kühlen, trockenen und dunklen Platz und ausreichende Luftzirkulation. Auch sollte Staub und Schmutz vorher zu entfernen und anschliessend die sauber Hängematte einzulagern. Ein Baumwollbeutel, ein Kissenbezug oder eine offene Kiste im Schrank erfüllen das. Der mitgelieferte Packsack einer Reisehängematte ist für die Tour gedacht, nicht für sechs Monate Stillstand.

Entscheidungsbaum: Kann ich die Hängematte so einlagern? Vier aufeinanderfolgende Prüfungen vor der Einlagerung. Erstens: Ist die Hängematte sichtbar verschmutzt? Falls ja, zuerst nach Material waschen. Zweitens: Fühlen sich Knoten und Schnurbündel kühl an? Falls ja, weitere 48 Stunden im beheizten Raum nachtrocknen. Drittens: Liegt die relative Luftfeuchte am Lagerort unter 60 Prozent? Falls nein, Lagerort wechseln. Viertens: Ist die Verpackung luftdurchlässig? Falls nein, in Baumwollbeutel oder offene Kiste umpacken. Erst wenn alle vier Punkte erfüllt sind, kann eingelagert werden. 1. Sichtbar verschmutzt?Pollen, Erde, Vogelkot, Blattreste 2. Knoten und Schnüre kühl?Handflächen-Test an den dicksten Stellen 3. Lagerort unter 60 % Luftfeuchte?Hygrometer, Zielkorridor 40 bis 60 % 4. Verpackung luftdurchlässig?Baumwollbeutel oder offene Kiste Einlagern bis zum Frühjahr ja → nach Material waschen, dann weiter ja → 48 Stunden beheizt nachtrocknen nein → Lagerort wechseln nein → umpacken, nichts Luftdichtes neinneinjaja

Seile, Karabiner, Gestell

Metall gehört vom Textil getrennt. Ein feuchter Stahlkarabiner in einer Baumwollfalte hinterlässt nach fünf Monaten einen Rostfleck, der sich nicht mehr auswaschen lässt. Karabiner, Ketten, Ringe und Haken kommen in eine eigene Dose, vorher trocken abgerieben.

Baumgurte und Aufhängeseile bekommen dieselbe Behandlung wie die Hängematte selbst: ausspülen, wenn sie erdig sind, vollständig durchtrocknen, locker aufgerollt lagern. Vor der ersten Nutzung im Frühjahr lohnt ein Blick auf Scheuerstellen und aufgerauten Faserverlauf. Wir empfehlen vor jedem Einsatz eine vollständige Sichtprüfung von Karabinern, Seilen und Tuch auf Risse, Fransen und Auffälligkeiten. Nach einer Einlagerung ist dieser Blick besonders angebracht.

Holzgestelle folgen eigenen Regeln, die wir in einem eigenen Beitrag zum Überwintern von Holzgestellen beschrieben haben. Kurz gefasst: Lasur nachziehen, trocken stellen, nicht direkt auf Beton.

Wenn es doch passiert ist

Stockflecken sind kein Schmutz, sondern Pilzwachstum im Fasermaterial. Die Empfehlung von Konservatoren lautet, befallene Textilien zunächst trocken zu behandeln und mit einem HEPA-gefilterten Sauger abzusaugen, ohne die Düse aufzusetzen, und erst danach zu waschen, weil verbliebene Sporen und Flecken weiteres Wachstum begünstigen[1]. Eingefärbte Stellen in Baumwolle gehen selten vollständig raus. Auch die Festigkeit des Gewebes leidet, und das ist der Teil, den man nicht sieht.

Bei einer tragenden Hängematte ist das ein Sicherheitsthema. Wer großflächigen Befall an einer Baumwollhängematte findet, sollte sie nicht weiter belasten, sondern ersetzen. Sinnvoll ist ein Wechsel auf ein synthetisches Material an Standorten, an denen die Hängematte ohnehin länger draußen bleibt.

Häufige Fragen

Muss ich die Hängematte vor dem Einlagern überhaupt waschen?

Wenn sie sichtbar verschmutzt ist, ja. Organische Rückstände sind Nährboden für Schimmelpilze. Ist sie nur staubig, reicht kräftiges Ausschütteln und Auslüften an einem trockenen Tag.

Darf eine Baumwollhängematte in den Trockner?

Nein. Die Hersteller sehen für Hängematten durchgängig Lufttrocknung vor[4]. Hitze und Trommelmechanik setzen den Schnüren und Nähten zu, und das Netz einer mexikanischen Hängematte verzieht sich dabei irreversibel.

Kann ich die Hängematte den Winter über einfach hängen lassen?

Draußen nicht. Unter einem geschlossenen Vordach mit guter Luftbewegung ist es machbar, in der Praxis aber selten gegeben. Im Innenraum spricht nichts dagegen, sofern sie nicht dauerhaft unter Last steht.

Wie erkenne ich im Frühjahr, ob das Material gelitten hat?

Sichtprüfung auf Flecken und Fransen, dann ein Zugtest an mehreren Stellen des Gewebes und an den Aufhängeschnüren. Fasern, die sich mit mäßigem Zug zwischen den Fingern trennen lassen, sind geschädigt. Im Zweifel erst mit langsam steigender Last testen, nicht mit dem vollen Körpergewicht.

Hilft ein Luftentfeuchter im Lagerraum?

Ja, wenn er den Raum tatsächlich unter 60 Prozent relative Luftfeuchte bringt und dort hält. Die kleinen Granulatboxen schaffen das in einem Kellerraum meist nicht, in einer geschlossenen Kiste dagegen schon.

Fazit

Über den Zustand im Frühjahr entscheiden sauberes Gewebe, vollständig trockene Knoten und Schnüre sowie ein Lagerplatz unter 60 Prozent relativer Luftfeuchte. Das Gartenhaus erfüllt keinen dieser Punkte. Ein Schrankfach im Wohnraum erfüllt alle drei, und es kostet nichts.

Zum Weiterlesen: Wir haben die laufende Pflege von Hängematte und Hängesessel sowie das Verhalten von Baumwolle als Hängemattenfaser jeweils gesondert beschrieben. Zum Thema Farbübertragung beim ersten Waschgang gibt es einen eigenen Beitrag über das Abfärben.

Quellen

  1. Canadian Conservation Institute: Mould Growth on Textiles. CCI Notes 13/15. Government of Canada. canada.ca (abgerufen am 12.09.2026)
  2. GINETEX Germany: Einheitliche Pflegekennzeichnung. (abgerufen am 12.09.2026)
  3. GINETEX Germany: Pflegesymbole. (abgerufen am 12.09.2026)
  4. Umweltbundesamt: Wie lüfte ich richtig? Tipps und Tricks zur Schimmelvermeidung. umweltbundesamt.de (abgerufen am 12.09.2026)